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So vielfältig ist die Arbeit der BGM-Koordinatoren – ein Fallbeispiel


Frau Gärtner, in Ihrem Betrieb hat es schon Gesundheitstage, Yogakurse und vieles mehr gegeben. Trotzdem wurden Sie zusätzlich als BGM-Koordinatorin extra angestellt. Warum?

Unser Chef hat mich als fachfremde Quereinsteigerin eingestellt. Er wollte, dass jemand mit einem Blick von außen das BGM breiter aufstellt. Bevor meine Stelle geschaffen wurde, gab es schon einige BGM-Angebote – eine Gesundheitswoche, Yogakurse und Vorträge. Aber die Angebote waren sehr vereinzelt, liefen zum Teil etwas zäh ab und haben die Mitarbeitenden nicht unbedingt entlastet.

Inwiefern?
Nun ja, über frisches Obst und Müsliriegel in der Gesundheitswoche hat sich jeder natürlich gefreut. Trotzdem hat sich an der Zufriedenheit einiger nicht viel geändert und Konflikte blieben bestehen.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Es gab interkulturelle Schwierigkeiten, etwa, dass sich ein Mitarbeiter aus einem fremden Kulturkreis regelrecht gesträubt hat, von einer Frau als seiner Vorgesetzten Anweisungen entgegenzunehmen. Eine Situation, die für beide Seiten schwierig war. Da bringt es natürlich nicht viel, ihnen einen Müsliriegel in die Hand zu drücken oder einen Yogakurs anzubieten.

Was hat die Situation stattdessen entschärft?
Zunächst haben wir im Team festgelegt, welche Leitlinien uns wichtig sind. Zum Beispiel Respekt und Wertschätzung im Umgang miteinander. Dann haben wir überlegt, wie wir die Kommunikation verbessern können. Jetzt finden Seminare und Schulungen dazu statt, wie die interne Kommunikation wertschätzender gestaltet werden kann.

Warum ist das effektiver als ein Yogakurs?
Ich will Yoga nicht abwerten und jedem hilft auch etwas anderes. Aber: Der Umgang mit extremen Konfliktsituationen betrifft den Berufsalltag und belastet die Mitarbeitenden sehr. Zum Beispiel kommt es vor, dass Angehörige rabiat werden. In einem Seminar erlernen die Pflegekräfte jetzt einen professionellen Umgang mit solchen Situationen.  Eine Strategie, wie sie damit umgehen können, ist somit eine gezielte Entlastung. Yoga trägt zwar zur Entspannung bei, aber das Seminar soll das Problem an der Wurzel packen. Das nützt den Pflegekräften viel mehr, da sie konkrete Hilfe für ihren Berufsalltag bekommen, die sie entlastet. Andere Schulungen richten sich speziell an Führungskräfte.

Woran haben Sie erkannt, dass den Mitarbeitenden so etwas besser hilft?
Ich habe die Mitarbeitenden befragt und zwar mittels einer Wunschzettel-Aktion. Jeder der 170 Angestellten hat eine Postkarte bekommen, um darauf Wünsche, Kritik oder Anregungen zu notieren. Die Karten habe ich ausgewertet. Und schnell war klar, dass Seminare eine Lösung sind.

Was benötigen Sie, um solche Seminare zu organisieren?
In erster Linie: Zeit. Zeit, um zu ermitteln, wo Verbesserung nötig ist und, um ein Bewusstsein bei den Mitarbeitenden fürs BGM zu schaffen. Aber auch, um mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat über Seminare zu sprechen und gegebenenfalls Überzeugungsarbeit zu leisten. Der finanzielle Aufwand hält sich in Grenzen. Die Gesundheitswoche, die ich zunächst mit neuem Konzept organisierte, kostete etwa 2000 Euro, ähnlich ist es bei den Seminaren.

Was gefällt Ihnen persönlich an dieser Form des BGM?
Ich mag das Konzept von WERTGESCHÄTZT deswegen so gerne, weil es ganzheitlich ist. Das BGM fängt bei einem guten Stuhl im Büro und Ausrüstung an und geht bis zum wertschätzenden Umgang im Team.

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