Hohe Arbeitsbelastung, geringe Wertschätzung – wo bleibt da die Gesundheit?

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Zunächst wollen wir wissen, was trotz Schichtdienst, Stress und körperlicher Belastung jeden Tag motiviert, gerne zur Arbeit zu gehen. Alle berichten von einem starken Zusammenhalt und intensiven Austausch innerhalb des Teams sowie vom guten Gefühl, anderen Menschen zu helfen und ihnen in schwierigen Situationen beizustehen. Für Nazha (27, Medizinische Fachangestellte der Notfallambulanz) bedeutet das auch, eine positive Einstellung beizubehalten und den Patienten mit Fröhlichkeit zu begegnen. Doch das ist nicht immer einfach. Nicht alle empfinden die Arbeitsbelastung auf die gleiche Weise – für den einen werden Schichtdienst und körperliche Arbeit zur Herausforderung, der andere kann Stress weniger gut bewältigen oder sich schlechter von miterlebten Schicksalen distanzieren. Alex (27, Arzt für Innere Medizin) macht jedoch deutlich, dass man sich immer bewusst sein muss, dass es sich um Arbeit handelt: „Letztendlich ist es ein Job wie jeder andere. Man möchte seine Arbeit gut machen und zufrieden nach Hause gehen können – dass man dabei noch Menschen hilft, ist natürlich umso toller.“

Ihnen allen ist bewusst, wie wichtig Gesundheit für die eigene Lebensqualität ist und dass sie auch auf der Arbeit nicht vernachlässigt werden sollte – sei es in Form eingehaltener Arbeitsschutzmaßnahmen, einer gesunden Ernährung oder genügend Bewegung. Dass dies dennoch unter Zeitdruck und aufgrund von Personalmangel geschieht, ist keine Seltenheit. Clarissa (44, Pflegefachkraft) berichtet, dass nicht immer genügend Zeit und Kollegen zur Verfügung stehen, um Patienten gemeinsam zu helfen. So werden viele Aufgaben mal eben allein erledigt und Arbeitsschutzmaßnahmen schnell vergessen. Die Tatsache, dass der Beruf durch die Abwechslung von Bewegungs- und Ruhephasen jedoch auch fit hält, betont Hildegard (57, Pflegefachkraft der Kardiologie). Für sie ist es ein Zeichen von Gesundheit, dass sie sich körperlich und seelisch fit fühlt und neben der Arbeit noch genug Energie hat, um ihre Freizeit zu nutzen.

Unsere neun Gäste üben Tätigkeiten in einem Berufsfeld aus, demgegenüber von außen häufig zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wird. Timm (32, Krankenpfleger der zentralen Notaufnahme) kann die Selbstverständlichkeit, mit der Pflegefachkräfte und ihre Arbeit hingenommen werden, nicht nachvollziehen: „Es ist nur noch selbstverständlich, dass man immer mehr zusätzliche Aufgaben bekommt und niemand etwas dazu sagt. Alle denken es ist normal und gehört eben zur Arbeit, dafür wird man schließlich bezahlt.

Ein einfaches Danke würde schon einen großen Unterschied machen.“ Sarah (30) arbeitet in der Notaufnahme eines Krankenhauses und kann dieses Gefühl nachempfinden. Auch sie wünscht sich, dass ihrem Beruf mehr Anerkennung entgegengebracht wird. Unter den anderen Pflegefachkräften erfährt sie dies als sehr positiv, darüber hinaus nicht. Auch Mike (32, Patiententransportdienst) kennt Wertschätzung eher aus seinem direkten Kollegenkreis, wenn einer für den anderen einspringt und dadurch in stressigen Situationen für Verschnaufpausen sorgt. Dankbarkeit von außen erhalten sie alle selten. So ebenfalls Davina (26, Gesundheits- und Krankenpflegerin), die sich auch von der Stationsleitung und den Ärzten mehr positives Feedback für die Pflegekräfte wünscht und dass sie als das angesehen werden, was sie sind – ein unverzichtbarer Teil des Krankenhaussystems. Krankenpfleger Peter (49) ist bereits seit 25 Jahren im Beruf und hat einen passenden Vergleich der Zusammenarbeit im Team in der Pflegelandschaft mit dem Profisport Fußball gefunden: „Die Pflege im Krankenhaus-Stadion ist sozusagen der Rasen. Da spielen viele Profis drauf, zeigen ihre Künste, verdienen viel Geld und leisten etwas. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass diese Profis zunehmend nur noch auf Asche spielen. Und wenn wir so weitermachen, spielen sie vielleicht irgendwann nur noch auf Waldboden. Und wer möchte schon Messi und Co. im Wald spielen sehen? Das ist wirklich so: Wenn die Pflege wegfällt, kann nach oben hin auch nicht mehr viel passieren.“ Sie alle sind sich einig, dass sich etwas ändern sollte, damit sich Pflegefachkräfte wertgeschätzt fühlen und gesund bleiben – angefangen bei der Mitsprache in den einzelnen Bereichen, Veränderungen des Personalschlüssels, die zu einem verringerten Zeitdruck und damit größeren Zeitfenstern für die einzelnen Patienten führen, bis hin zu einem simplen Lob, das Anerkennung und Wertschätzung ausdrückt.

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