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WERTGESCHÄTZT in Sinsheim: Aufsuchende Maßnahme in der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte


Nur, wenn sich jemand wertgeschätzt fühlt, will er auch etwas leisten. Dabei bedeutet Wertschätzung mehr als höflich „Bitte“ oder „Danke“ zu sagen. Es geht darum, sich ernst genommen zu fühlen, für Anregungen Gehör zu finden, das Gefühl zu bekommen, etwas zu schaffen. Das Gefühl zu haben, Dienste und Aufgaben immer nur auferlegt zu bekommen, führt zum Gegenteil von Wertschätzung. Daher zählt zur Initiative WERTGESCHÄTZT, dass sich jede Einrichtung ihre Konzepte selbst schafft. Manchmal ist es auch so, dass einige Berufsgruppen schlicht bekannter oder besser wahrnehmbar sind als andere. Ein bisschen so war das in der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP) der GRN Klinik Sinsheim: Die Mitarbeitenden dieser Abteilung sind dafür zuständig, OP-Instrumente nach Operationen der Klinik und der zum Verbund zählenden Klinik Eberbach so aufzubereiten, dass sie später wieder keimfrei und funktionsfähig für die nächste Operation zur Verfügung stehen. Vielen Menschen – ob Patientinnen und Patienten, anderen Klinik-Abteilungen oder Menschen außerhalb – ist vermutlich gar nicht bewusst, dass es eine solche Abteilung überhaupt gibt. Dort demontieren, dekontaminieren, kontrollieren, prüfen, pflegen, verpacken, kennzeichnen, sterilisieren, kommissionieren Fachkräfte unter anderem die Scheren, Klemmen, Pinzetten und sonstiges Equipment nach Operationen. Im GRN-Klinikverbund sind das über Tausende Sterilisationseinheiten (STES) pro Monat. Und dabei heben die Mitarbeitenden beispielsweise schwere Container vom Band oder aus dem Transportwagen auf Arbeitstische oder sie müssen Container über Kopf in Regale einräumen.

Silke Rudolf-Kaiser kennt die Abläufe rund um die Aufbereitung, Sortierungen, thermische Desinfektion, Sterilisation, Dokumentationen, aber auch die körperlichen Herausforderungen. Die Technische Sterilisationsassistentin arbeitet hier seit zehn Jahren. Seit einigen Jahren leitet sie die AEMP am Standort Sinsheim mit 14 Mitarbeitenden. Im Interview gibt sie Einblick in die Praxis und erläutert, was ihrem Team die Zusammenarbeit mit der Initiative WERTGESCHÄTZT bereits gebracht hat.

Wie beschreiben Sie Menschen, die nichts mit Ihrer Arbeit zu tun haben, was Sie tun? Vielleicht mithilfe eines typischen Ablaufs? Silke Rudolf-Kaiser: Also: Die Instrumente werden in Containern im Schmutzraum – dem unreinen Bereich – angeliefert. Dort werden die Container vom Band, auf eine Ablage gestellt, die Instrumentensiebe aus dem Container herausgenommen, vorsortiert, demontiert und gegebenenfalls vorgereinigt und auf den Reinigungswagen gestellt.

Was ist ein Instrumentensieb?
Silke Rudolf-Kaiser: Ein Instrumentensieb ist eine Lagerungshilfe für Instrumente, die dort nach Packordnung einsortiert werden.

Sind das typische Arbeitsmittel für Sie?
Silke Rudolf-Kaiser: Ja. Genau. Sie kommen später – nach vielen weiteren Arbeitsgängen – in sogenannte Container. Diese gibt es in verschiedenen Größen, zum Beispiel in der Größe 30 mal 30 mal 60 Zentimeter. Ein Container ist ein Verpackungssystem, um Instrumente steril aufbereiten zu können.

Und typische Bewegungen, die Sie damit machen?
Silke Rudolf-Kaiser: Heben; Instrumentensiebe beziehungsweise Container aus dem Transportwagen entladen, das geht auf die Schulter und belastet den Rücken. Beim Kontrollieren, Pflegen und Verpacken der Instrumente stehen wir hauptsächlich. Zum Sterilisieren müssen die Container an einen bestimmten Platz getragen werden. Nach der dokumentierten Freigabe, werden die Container in Regale oder Transportwagen einsortiert. Teilweise wiegen die Container bis zu zehn Kilogramm, manchmal sogar noch mehr.

Welche gesundheitlichen Probleme können durch Ihre Arbeit entstehen?
Silke Rudolf-Kaiser: Rückenschmerzen, Schulterschmerzen und Spannungskopfschmerzen.

Wie hat die Initiative WERTGESCHÄTZT Sie bei einer Verbesserung unterstützt?
Silke Rudolf-Kaiser: Durch die Initiative sind unsere Abteilung, unsere Tätigkeiten und unsere gesundheitlichen Herausforderungen sichtbarer geworden: Hauptsächlich werden ja normalerweise Krankenschwestern oder Pflegekräfte gefördert. Dabei müssen auch wir schwer heben. Ich finde, dass das schon ein Anfang von Wertschätzung ist.

Sind Ihre Anregungen mit in die gewählten Maßnahmen eingeflossen?
Silke Rudolf-Kaiser: Ja. Ich habe angeregt, dass wir Unterstützung benötigen. Ich habe mich stark für meine Kollegen gemacht. Maja Schwöbel ist ja unsere Ansprechpartnerin im Rahmen des Projekts sowie die zuständige Beauftragte für das Betriebliche Gesundheitsmanagement des GRN Klinikverbundes.

Wie sah der Tag bei Ihnen aus, an dem – in Ihrem Fall eine Physiotherapeutin von der Initiative – zu Ihnen gekommen ist? Wer hat von der Belegschaft mitgemacht?
Silke Rudolf-Kaiser: Ende November 2019 ist die Physiotherapeutin gekommen und hat uns beraten. Es gab einen Auftakt für alle gemeinsam und Einzeltermine mit jedem Mitarbeiter. Sie hat Tipps geben. Eine Stunde für alle und eine halbe Stunde für jeden Einzelnen.

Können Sie hierzu noch konkrete Beispiele geben, die Sie Ihnen für typische Arbeitssituationen gegeben hat?
Silke Rudolf-Kaiser: Die Physiotherapeutin hat uns die richtigen Bewegungsabläufe beim Heben, Tragen und Bücken gezeigt. Die jeweiligen Arbeitsplätze wurden ergonomisch eingerichtet.

Und neben typischen Arbeitssituationen? Welche Übungen hat sie Ihnen empfohlen?
Silke Rudolf-Kaiser: Zu unserer Tätigkeit bekamen wir Ausgleichsübungen, Kräftigung- und Lockerungsübungen vorgestellt.

Was bringt Ihnen das Projekt bzw. die Tipps und Ratschläge der Physiotherapeutin? Konnten Sie Ihr Bewegungsverhalten ändern? Was sagen die Kollegen?
Silke Rudolf-Kaiser (lacht): Man muss eigenverantwortlich dranbleiben, damit Verspannungen gar nicht erst entstehen oder schlimmer werden. Wir sind schon sehr dankbar für die Anregungen. Das hat uns sehr geholfen. Wir erinnern uns jetzt gegenseitig daran.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Rudolf-Kaiser.

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